Prelude of Shadows von yazumi-chan (Die Team Shadow Chroniken) ================================================================================ Chris & Jayden – Akt 3, Szene 6 ------------------------------- 8 Jahre vor Team Shadows Gründung   Wochen der Frustration entluden sich in dieser einen Attacke ihres Pokémon. Pikachus Donnerblitz schlug mit solcher Wucht in das Fukano ein, dass Chris unwillkürlich einen Schritt zurückmachte. Dem Anführer der Gegner standen alle Haare zu Berge. Pikachu ließ zufrieden die Backen knistern und gestikulierte mit seiner Pfote, so als wolle es sagen, Wer will als nächster? Fukano rappelte sich einige Sekunden später zitternd vom Boden auf. Das schwarz-rot getigertes Fell rauchte. Sein Trainer bleckte wütend die Zähne. „Na komm schon, Foxy, zeig ihr was du kannst! Flammenrad!“ „Unterstütz Foxy mit deinem Reflektor, Lorblatt“, rief der Junge mit dem Rucksack seinem Pflanzenpokémon zu. Chris speicherte den Namen mental ab. Ein Pokémon mehr aus Johto, dass sie kannte. „Arbok, Wickel!“, schaltete sich das Mädchen der Gruppe ein. Pikachu sprang zur Seite, um dem Wickel auszuweichen, wurde dafür aber von dem Rand des Flammenrads getroffen und sengte sich das Fell an. Lorblatt schwang inzwischen das Blatt auf seinem Kopf und beschwor einen schimmernden Schild hervor, von dem Chris wusste, dass er physische Attacken abfing und schwächte. Auf Slam würde sie vorerst verzichten. „Doppelteam“, befahl sie, auch wenn sie wusste, dass Pikachu ihre Anweisungen kaum noch brauchte. Aber jetzt, wo sie die Chance hatte, endlich wieder einen richtigen Kampf auszufechten, wollte sie ihrem Starter nicht den ganzen Spaß überlassen. Arbok bäumte sich mit einem Zischen zu seiner vollen Größe auf. Seine Trainerin verschränkte selbstbewusst die Arme. „Glaubst du wirklich, dass du diesen Kampf gewinnen kannst?“ Diesmal antwortete Chris ihr nicht. Während sie Pikachu weiter mit Doppelteam durch die Luft schießen ließ, beobachtete sie die Bewegungen der gegnerischen Pokémon. Fukano schüttelte den qualmenden Pelz, aber es zuckte hin und wieder, war also wahrscheinlich paralysiert. Lorblatt hielt sich noch im Hintergrund. Umso besser. „Foxy, versuch es mit Biss“, rief der Anführer seinem Pokémon zu. Foxy sprang vor, zuckte mitten in der Bewegung jedoch zusammen und ging zu Boden. Pikachu ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Während Lorblatt zu einer Zauberblatt-Attacke ansetzte, tauchte Pikachu inmitten seiner Trugbilder auf und schleuderte einen zweiten Donnerblitz auf Fukano. Arbok schien nur auf diesen Moment gewartet zu haben, denn es spie Säure auf Pikachu—und traf dabei auch Fukano, das zischend und getroffen von zwei Attacken besiegt in sich zusammen sackte. Der Junge fuhr zu seiner Freundin herum. „Was machst du denn?“, fauchte er sie an. „Verdammt!“ Pikachu schüttelte mit schmerzverzerrtem Gesicht die Säure aus seinem Pelz. „Weiter so“, feuerte Chris ihren Starter an. Es nickte ihr kurz zu, dann schoss es wieder davon, schlug Haken und hinterließ Phantom-Pikachus. Lorblatts Zauberblatt ging ins Leere, woraufhin der Rucksack-Junge leise fluchte. Das Mädchen sah elend aus. Sie schielte immer wieder zu dem Anführer, der Fukano zurückgerufen hatte und nun wütend den Pokéball in seinen Händen drehte. Arbok wiegte unterdessen verwirrt seinen Kopf hin und her und wartete auf ein Kommando, das nicht kam. „Donnerblitz“, befahl Chris, und die Attacke schlug wie aus dem Nichts in Lorblatt ein, das sich weiter hinten in Sicherheit gewähnt hatte. Es strauchelte, blieb aber stehen. „Jetzt hilf mir schon, Julia“, beschwerte sich der Rucksack-Junge. Julia schreckte zusammen und erinnerte sich scheinbar daran, dass sie noch mitten im Kampf war. „K-knirscher!“, rief sie ihrem Pokémon zu. Arbok züngelte die Luft, dann stieß es blitzschnell zu, und packte tatsächlich Pikachu aus seinen Schattenbildern heraus. Die weit geöffneten Kiefer drückten sich tief in Pikachus kleinen Körper und es stieß einen hohen Schrei aus. „Pikachu!“ Chris trat vor, aber sie konnte natürlich nicht eingreifen. Allerdings erlaubte diese Position ihnen einen Vorteil … „Donnerwelle, los!“ Pikachu kniff die Augen zusammen und ein Elektroschock ging durch Arboks ganzen Körper. Es wurde stocksteif, dann schlaff und ließ Pikachu zu Boden fallen. Pikachu machte einen kleinen Purzelbaum und sprang auf. Sein gelber Pelz war angesengt und mit Säure verklebt und Staub bedeckte seinen ganzen Körper, aber seine Augen blitzten angriffslustig. Chris wollte gerade das nächste Kommando rufen, da wurde hinter ihr die Eingangstür zum Theater aufgerissen. Sie sah sich erschrocken um. Fiona stand mit ausgebreiteten Armen zwischen den Türflügeln. „Was zur Hölle geht hier vor sich?“     Jayden bemerkte in der zweiten Hälfte ihrer Aufführung, das etwas nicht stimmte. Er konnte das Publikum im schummrigen Licht kaum ausmachen, die meisten Lichtquellen waren auf die Bühne gerichtet. Er drehte sich gerade in anmutigen Pirouetten mit Aquana, während er mit einem anderen Kimono-Girl die Plätze wechselte, als er von draußen ein lautes Krachen hörte. Er unterdrückte sein Zusammenzucken und bewegte sich stattdessen normal weiter durch die Choreographie, aber seine Ohren lauschten nun neben der Musik auch auf weitere Geräusche von draußen. Ihm war außerdem bewusst, dass Chris nicht zurückgekehrt war. War sie für den Krach verantwortlich? Er spürte eine leichte Kälte, die am Rand der Bühne auftauchte. Nebulak. Nicht ablenken lassen! Aquana warf ihm einen kurzen, rügenden Blick zu, während es seine Flosse sinnlich schwenkte. Beinahe wäre er ihm auf die Pfote getreten. Das Krachen wiederholte sich. Leises Raunen wurde in den Zuschauern laut. Aus dem Augenwinkel entdeckte Jayden Frau Fiona, die etwas abseits mit verschränkten Armen neben der Bühne stand und immer wieder mit auf und ab tappendem Fuß zur Eingangstür guckte. Als es zum dritten Mal draußen laut wurde, schien sie es nicht mehr auszuhalten, denn sie stapfte davon.     Chris starrte Fiona an. Die Theaterbesitzerin sah aus, als wolle sie jemandem den Kopf abreißen, vielleicht allen gleichzeitig. Sie stürmte an Chris vorbei auf die Trainer zu und baute sich ungeachtet des drei Meter großen Arboks vor ihnen auf. „Das hier ist ein ehrenhaften Tanztheater und ich werde nicht zulassen, dass jahrhundertelange Generationen in den Staub getreten werden von dahergelaufenen Trainern wie euch!“ Stille. Dann lachte der Anführer der Trainer. „Was will denn die Alte jetzt? Wofür sind die Kimono-Girls da, wenn nicht zum Kämpfen?“ Er legte die Stirn in Falten und stand langsam auf. „Alleine kommt ihr ja scheinbar nicht klar, also muss ich mal wieder eingreifen. Ich wollte es eigentlich erst bei den Kimono-Girls benutzen, aber ihr geht mir alle richtig auf die Nerven, also was soll‘s.“ Er griff in seine Jackentasche und zog einen zweiten Pokéball hervor. „Das hier ist das Pokémon von meinem Bruder.“  Chris biss sich auf die Lippen. Pikachu war schon angeschlagen. Julia sah unsicher zu ihrem Freund. „Gary, bist du sicher? Beim letzten Mal …“ „Sein kein Miesepeter, ich habe sie unter Kontrolle. Los geht’s, Ampharos!“ Der Name des Pokémons sagte Chris nichts, aber sie brauchte nur eine Sekunde, um es als Elektrotyp einzuordnen. Gelbes Fell, weißer Bauch, schwarz-gestreifte Ohren. Es war nicht besonders groß oder angsteinflößend, aber Chris hatte genug Zeit mit Pikachu verbracht, um seine Stärke einzuordnen. Die Statik ließ ihr selbst auf diese Entfernung alle Haare zu Berge stehen. Wenn sie raten müsste, würde sie den Level dieses Pokémons auf über fünfzig schätzen. Zwanzig Level von Pikachu entfernt. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte Chris den Gedanken, dass sie keine Chance hatte, zu gewinnen. Vor ihr rappelte sich Pikachu jedoch auf und warf ihr einen kurzen, entschlossenen Blick zu. Chris verstand sofort. Sie grinste. Pikachu grinste zurück. Da schwang die Tür erneut auf. Chris wusste nicht, weshalb, aber sie wusste, dass es Jayden war, noch bevor er in voller Kimonomontur neben ihr auftauchte, Nebulak an seiner Seite. Sein Make-Up hatte begonnen, an den Seiten zu verlaufen und einige seiner hellbraunen Haarsträhnen hatten sich unter der schwarzen Perücke gelöst. Chris nickte ihm zu. Erleichtert, ihn an ihrer Seiter zu haben. Sie beide hatten heute schon einen Kampf ausgetragen. Frau Fiona stampfte zornig auf den Boden. „Also gut“, fauchte sie in Richtung von Gary, der amüsiert die Augenbraue hob. „Du willst gegen ein Kimono-Girl kämpfen? Hier hast du eins.“ Und mit diesen Worten zog sie einen Pokéball aus ihrer Tasche und beschwor ein betagt aussehendes Flamara. Zu dritt standen sie nun dem Ampharos, dem paralysierten Arbok und dem geschwächten Lorblatt gegenüber. Hinter ihnen strömten die Zuschauer hinaus und blieben überrascht über das Spektakel stehen. Einige gingen schnell weiter, andere waren schaulustiger und bildeten einen Kreis um die sechs Trainer. Chris Adrenalin ging in Schüben durch ihren Körper, ihr Herzschlag hämmerte in ihren Ohren. Sie hatte sich selten so lebendig wie in diesem Moment gefühlt. Das letzte Mal vermutlich bei ihrem Kampf gegen Chloe. Ampharos ließ die Fäuste knistern, Arbok bäumte sich zischelnd auf, Lorblatt schwang sein Stirnblatt. Gary verschränkte selbstzufrieden die Arme. „Jetzt zeigen wir ihnen, was eine Harke ist! Donner, Ampharos!“ Ampharos schnaubte verächtlich. Nichts geschah. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)